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Gelebte Integration – Flüchtling Abdul Haq Wahedi erzielt bestes Prüfungsergebnis

Kann eine Ausbildung von Flüchtlingen im Handwerk gelingen? Ein Paradebeispiel dafür, dass dies durchaus möglich ist, hat die in Saarbrücken ansässige Schreinerei Petri unter Beweis gestellt.

Bildnachweise: HKH Saar

Schreinermeister und Betriebsinhaber Martin Petri bildet permanent fünf Lehrlinge in der Schreinerei aus, deren Schwerpunkt im Bereich Laden- und Praxenbau für Optiker, Juweliere und Ärzte, im gehobenen Innenausbau mit Sondermöbeln und im Bauschreinereibereich für Holzböden, Holzdecken, Fenster, Haustüren und Zimmertüren liegt. Seine 19 Mitarbeiter, die er mittlerweile beschäftigt, sind fast alles „Eigengewächse“ die hier ihren beruflichen Werdegang mit der Ausbildung begonnen haben.

Vor zweieinhalb Jahren stellte sich ein junger Mann namens Abdul Haq Wahedi vor, der Interesse an einer Arbeit als Schreiner hatte. Im Vorstellungsgespräch wurde schnell deutlich, dass hier die „Chemie“, wie es landläufig heißt, zwischen beiden stimmte und er eine Chance erhalten sollte. Nach einem mehrtägigen Praktikum wurde der Vertrag unterschreiben - kein Arbeitsvertrag wie es der junge gebürtige Afghane zunächst im Blick hatte, sondern ein Ausbildungsvertrag.

Seit 2012 lebt Wahedi nun in Deutschland. Als er ein Jahr alt war, flüchtete er mit seinen Eltern von Afghanistan in den Iran und wuchs hier unter erschwerten Bedingungen auf. Im Iran besuchte er die Schule bis zur siebten Klasse, da dort eine längere Schulzeit nicht erlaubt ist. Sein Interesse am Möbelbau bewegte ihn - was in Vorderasien möglich ist - sich danach handwerklich zu betätigen, indem er selbstständig für den Internationalen Messebau Iran arbeitete. 2011 zog es ihn nach Europa. Seine Stationen mit unterschiedlichsten beruflichen Tätigkeiten waren die Türkei, Griechenland, Italien, Frankreich und letztendlich das Saarland, wo er u.a. auch zwei Jahre als Koch Beschäftigung fand. Ein dreimonatiger Deutsch-Kurs wurde absolviert, es folgte ein Jahr Berufsvorbereitung in Sulzbach als Metaller und anschließend das BGJ im TGBBZ in Neunkirchen. Ohne Probleme wurde auch die Führerscheinprüfung bestanden.

Die nun abgeschlossene Lehre als Schreiner in der Firma Petri bezeichnet er als Glücksfall und kommt ins Schwärmen, wenn er von seinem Chef, den Kolleginnen und Kollegen erzählt. „Das Betriebsklima könnte nicht besser sein, die sind alle Engel, und haben mich akzeptiert wie ich bin. Auch die Mitschüler und Mitschülerinnen in der Berufsschule standen mir immer hilfreich zur Seite, wenn ich Fragen hatte – auch wenn ich zehnmal nachgehakt habe“ berichtet Wahedi voller Dankbarkeit.

Voll des Lobes zeigt sich Jörg Konrath, verantwortlicher Meister in der Arbeitsvorbereitung und in der Bauleitung der Firma Petri. Er nennt die Einstellung des Flüchtlings Wahedi einen Glücksgriff und hebt hervor, dass gerade Flüchtlinge oftmals besondere Hürden zu meistern haben: unbestimmte Aufenthaltsdauer, kaum Deutschkenntnisse oder fehlende Unterlagen. Er ist überzeugt, dass die spezifischen Hindernisse meistens überwindbar sind und die Ausbildung von Flüchtlingen gelingen kann und sich damit Perspektiven für eine Integration eröffnen „Ob es die Arbeit selbst anbelangt oder das soziale Verhalten – Wahedi ist voll integriert - privat wie beruflich“, so Konrath, der den Weg gerne mit ihm weitergehen möchte. „Das handwerkliche Engagement und die guten Berufsschulergebnisse haben uns veranlasst, die Lehrzeit auf zweieinhalb Jahre zu verkürzen und eine vorzeitige Zulassung zur Gesellenprüfung zu beantragen“, hebt Konrath hervor.

Abdul Wahedi hat sie nicht enttäuscht und die Erwartungen vollends erfüllt. Denn nach Abschluss der praktischen Gesellenprüfung mit einer achtstündigen Arbeitsprobe und der Anfertigung des eigentlichen Gesellenstückes in Form eines Sideboards kann er auf eine Punktzahl von 97 von 100 möglichen Punkten verweisen. Die Bewertung der Prüfungskommission offerierte vor allem das sehr saubere Arbeiten und die Maßgenauigkeit. Damit erzielte er das beste praktische Ergebnis aller Prüfungsteilnehmer der diesjährigen Wintergesellenprüfung 2018/2019. Sein Ziel ist es, weiterhin als Schreiner zu arbeiten und die Meisterprüfung im Schreinerhandwerk anzustreben. Gerne würde er diesen Weg gehen und hofft auf das Entgegenkommen der Ausländerbehörde, denn seine Aufenthaltsgenehmigung ist nur befristet.

Das gute Arbeitsklima hat sich auch auf das Miteinander im beruflichen Alltag zwischen Abdul Wahedi und der 21jährigen Auszubildenden Isabel Hardtmann übertragen, die gemeinsam die Lehrzeit in der gleichen Firma verbrachten. Beide heben das gute Verhältnis und die immer faire Zusammenarbeit, ohne jegliches Konkurrenzverhalten, hervor. Hardtmann hat zunächst die Realschule besucht und anschließend die Fachoberschule „Design“. Da sie unbedingt ihr handwerkliches Geschick unter Beweis stellen wollte, begann sie eine Lehre bei der Firma Petri, die dann auf Grund der schulischen Leistungen auf zweieinhalb Jahre verkürzt wurde. „Da ich keine Note schlechter als „sehr gut“ geschrieben habe, stand einer verkürzten Lehre nichts im Wege“, hebt sie hervor. Dass sie auch handwerklich überzeugen konnte, zeigt das Ergebnis der praktischen Gesellenprüfung. Mit einer Gesamtpunktzahl von 94 von 100 möglichen Punkten erzielte sie das zweitbeste Ergebnis der diesjährigen Wintergesellenprüfung. Sie wird, wie sie erklärt, dem Handwerk nicht treu bleiben. Mit Beginn des Wintersemesters möchte sie in Saarbrücken oder Trier Produkt-Design oder Architektur studieren.

Die Integration von Flüchtlingen ist für Politik und Handwerk eine große Herausforderung. Die Ursachen, dass viele aus dem Nahen Osten oder Vorderasien ihre Heimat aufgrund von Kriegswirren verlassen, sind vielfältig. Sie suchen einen neuen Wohnort und Arbeit, um sich und ihre Familien zu ernähren, sie suchen Hilfe. Wie diese Hilfe und Unterstützung in der Praxis aussehen kann, zeigt das Beispiel der Schreinerei Petri, denn hier wird nicht über Integration geredet, hier wird Integration gelebt!

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