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Nachwuchshoffnung auf Abwegen

„Saarlands Schreiner-Superstar 2023“ heißt Johann Hütter, ist 21, sehr talentiert, möchte jetzt aber lieber evangelischer Pfarrer werden. Wie sein Vater. Schade, für die Schreinerzunft!

Ein erlesener Kreis aus vier Teilnehmern stellt sich dem Wettbewerb, an dessen Ende nach sieben Stunden an der Werkbank „Saarlands Schreiner-Superstar 2023“ gekürt werden soll. Zu erledigen ist die Aufgabe, eine Schmuckschatulle in Eiche und Kork nachzubauen, die sich Ausbildungsmeister Lukas Löhnig für die Junggesellen ausgedacht hat. Die Stoßfugen sollten am Ende dicht, die Eckverbindungen geleimt, die Kanten gebrochen und zum Lackieren vorbereitet sein. So sieht es der Arbeitsauftrag vor. Alexandra Blank, Lucas Bies, Leon Lütz und Johann Hütter gehen gut gelaunt und motiviert ans Werk und müssen bald erkennen, dass die vorgegebene Zeit kein Luxusrahmen ist und die Aufgaben doch komplexer als zunächst vermutet sind.

Alexandra Blank, frisch ausgebildet in der Schreinerei Petry in Saarbrücken und aktuell auf Jobsuche, hält die Arbeit für „anspruchsvoll aber machbar“ und ist angetreten, um zu gewinnen: „Klar, deswegen macht man ja mit.“ Dass es am Ende nur zu Platz drei reicht, ist wohl kein Beinbruch, zumal ein Arbeitgeber ihre Arbeitsweise engagierenswert findet. Ihre Bewerbung sei ihm höchst willkommen. Lucas Bies, ausgebildet bei der Schreinerei Julian Glunz in Wandern, findet die „Gehrung schwierig“, ist aber voll motiviert bei der Sache. Auch er wird am Ende von der Fachjury auf den dritten Platz gewertet.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Preisträgerkrone, die immerhin dazu berechtigt, sich auf Bundesebene mit den besten der besten Schreinerjunggesellen zu messen. Am Ende muss Leon Lütz aus Merzig seinem Kollegen Johann Hütter den obersten Platz auf dem Siegertreppchen überlassen, auch wenn er das alles mit dem gebotenen Humor nimmt: „Die eine Ecke hier braucht noch ein wenig Liebe.“ Sagt’s und bringt den Fauxpas rasch wieder ins Lot. Den Argusaugen der Fachjury entgeht auch in diesem Jahr nichts.

Die Ausbildungsmeister Lukas Lönig und David Hartmann, Landeslehrlingswart Peter Dincher und Schreinermeister Florian Jost fühlen, tasten, messen, streicheln, drehen und wenden die eingereichten Werkstücke und sind sich am Ende einig, dass der Gewinner nur Johann Hütter heißen kann. Und der ist stolz wie Bolle, dass er gewonnen hat und zum Bundesentscheid darf. Kurios: Dieser Wettbewerb wird die vorerst letzte Amtshandlung des 21-Jährigen im frisch erworbenen Schreinerberuf sein. Ja, richtig gelesen, der frisch gekürte „Schreiner-Superstar“ aus dem Saarland kehrt seinem Lehrberuf den Rücken – um Theologie zu studieren. Wie bitte? Das hat man auch noch nicht gehört, sagt auch sein Lehrherr Andreas Kiemle, der ihn gerne weiter beschäftigt hätte. Aber der sympathische junge Mann, der auch während des Wettbewerbs seine Kollegen schon mal mit Rat und Tat unterstützt hat, will evangelischer Pfarrer werden. „Wie mein Vater“, sagt er und lüftet damit das Geheimnis dieser ungewöhnlichen Umschulung.

Bei der Lossprechungsfeier ein paar Tage später ist dann auch besagter Vater zugegen: „Wir waren alle sehr überrascht, dass Johann seinem geliebten Lehrberuf den Rücken kehren möchte. Sechs Wochen vor der Gesellenprüfung hat er uns gesagt, dass er in meine Fußstapfen treten möchte“, sagt Georg Diening, seines Zeichens 78, Pfarrer im Ruhestand, aber rüstig und deshalb ehrenamtlich für die evangelische Kirchengemeinde Völklingen- Warndt weiter tätig. „Dass er eine gute Prüfung machen würde, war mir klar“, sagt der Vater, „denn ich habe auf seinen Zeugnissen nie eine zwei gesehen“. Schade, dass so ein Talent dem Schreinerberuf verloren geht. Trotzdem: viel Glück!

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